
Plötzlich nicht mehr "Chef": Siemens streicht Hunderten Führungskräften den Titel

Der Technologiekonzern Siemens treibt seinen Umbau zur sogenannten "One Tech Company" (integrierter Technologiekonzern) voran und schafft dabei zahlreiche Führungstitel ab. Laut Handelsblatt sollen unterhalb des Vorstands Titel wie Geschäftsführer (CEO – Chief Executive Officer) oder Finanzchef (CFO – Chief Financial Officer) in Landesgesellschaften und Geschäftseinheiten entfallen.

Nach Unternehmensangaben gibt es weltweit rund 300 Manager mit solchen "C"-Führungstiteln. Künftig sollen viele von ihnen Bezeichnungen wie Bereichsleiter, Leiter einer Einheit oder Geschäftsführer tragen.
Mit der Neuordnung will Vorstandschef Roland Busch die Organisation vereinheitlichen, stärker integrieren und Hierarchien abbauen.
Busch sagte laut Teilnehmern: "Diese Veränderung ist Teil von etwas Größerem. Sie ist Teil eines umfassenden kulturellen Wandels – vielleicht der größten Transformation, die Siemens jemals durchlaufen hat: der Entwicklung zu einer One Tech Company."
Siemens will sich von einer Organisation mit weitgehend eigenständigen Bereichen zu einem stärker integrierten Technologiekonzern entwickeln. Der Wegfall der Führungstitel bedeute laut Vorstandschef Roland Busch keine Herabstufung.
Teil der neuen Strategie ist auch die Abspaltung der Medizintechnik-Tochter Healthineers. Man habe in den vergangenen Monaten "wesentliche Fortschritte bei der geplanten Dekonsolidierung" gemacht, sagte Finanzvorständin Veronika Bienert. Siemens habe inzwischen die steuerlichen Fragen mit den Finanzbehörden verbindlich geklärt.
Siemens baut den Konzern bewusst jetzt um, da die Geschäfte gut laufen. "Wir agieren ganz klar aus einer Position der Stärke", sagte Busch dem Handelsblatt. Man solle sich verändern, wenn es einem gut gehe – "nicht erst warten, bis es schlechter wird".
Dennoch rechnen Beobachter mit Unmut unter den Betroffenen, da die Änderungen für viele Manager einen symbolischen Verlust an Status und Einfluss bedeuten könnten.
Die Reform fällt in eine Phase starker Geschäftsentwicklung. Siemens meldete für das dritte Quartal neue Rekordwerte: Der Auftragseingang legte um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro zu, der Umsatz stieg auf 20,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis im Industriegeschäft erhöhte sich auf 3,5 Milliarden Euro. Aufgrund der positiven Entwicklung hob der Konzern seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr an.
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