Lateinamerika

Chiles Ex-Präsident Piñera stirbt bei Hubschrauberunglück

Noch ist der Schock nach dem Tod von Dutzenden Menschen bei Bränden in Chile nicht überwunden, da kommt eine neue schlimme Meldung: Der frühere Präsident Sebastián Piñera ist bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Im Land sind drei Tage Trauer angeordnet.
Chiles Ex-Präsident Piñera stirbt bei HubschrauberunglückQuelle: AFP © LUDOVIC MARIN

Der ehemalige chilenische Präsident Sebastián Piñera ist tot. Das Unglück hat sich gegen 15:30 Uhr am Dienstag (Ortszeit) in der Gemeinde Lago Ranco in der Región de Los Ríos ereignet, als der Politiker nach einem Mittagessen bei einem Freund José Cox nach Hause zurückkehrte. Trotz ungünstiger Wetterverhältnisse und der Warnungen des Gastgebers setzte sich Piñera an das Steuer seines Hubschraubers, um zum gegenüberliegenden Ufer des Sees Ranco zu fliegen. Mit im Hubschrauber befanden die Schwester des Politikers Magdalena Piñera sowie sein Freund Ignacio Guerrero und dessen Sohn Bautista Guerrero.

Laut Medienberichten kam es zum Absturz nur wenige Minuten nach dem Start. Der Helikopter stürzte etwa 400 Meter vom Ufer entfernt in den See. Cox eilte mit einem Boot zur Absturzstelle und rettete die drei Begleiter des Politikers. Nach ersten Erkenntnissen könnte ein undicht geschlossenes Fenster die Katastrophe herbeigeführt haben. Demnach dürfte die Windschutzscheibe des Helikopters nur wenigen Sekunden nach dem Start mit Tropfen beschlagen gewesen sein, sodass der Pilot den Überblick und auch die Kontrolle über den Hubschrauber verloren haben musste.

Dem Nachrichtenportal Emol zufolge schaffte es Piñera noch, den Helikopter einige Zeit lang über der Wasseroberfläche schweben zu lassen, damit seine Fluggäste ins Wasser springen konnten. Der Pilot konnte aber seinen Sicherheitsgürtel nicht lösen und sank mit dem Hubschrauber in die Tiefe. Später trafen am Absturzort chilenische Marinekräfte und Taucher der Feuerwehr ein. Sie bargen den Körper des früheren Präsidenten aus 40 Metern Tiefe. In den sozialen Medien wurde inzwischen ein Video veröffentlicht, das den Helikopter wenige Augenblicke vor dem Absturz zeigen soll.

Chiles Innenministerin Carolina Tohá bestätigte bei einer Pressekonferenz den Tod des früheren Staatschefs. Sie zeigte sich bestürzt und sprach der Familie, dem engen Umfeld des Politikers und allen Chilenen ihr Beileid aus. Tohá nannte Piñera einen demokratischen Präsidenten und kündigte ein Staatsbegräbnis mit allen Ehren an.

Der amtierende Präsident Gabriel Boric ordnete drei Tage Trauer an. Außerdem berief der linke Politiker ein Sonderkomitee zur Organisation des Staatsbegräbnisses für seinen Vorgänger ein. In einer Ansprache an das Volk hob Boric den Beitrag hervor, den der rechte Politiker und einer der reichsten Unternehmer im Land zum Wohle Chiles geleistet hat.

"Er war ein Demokrat der ersten Stunde und versuchte in der Tat das, was er für das Beste für das Land hielt."

Als Beispiel führte Boric den Wiederaufbau Chiles nach dem Erdbeben im Jahr 2010, die Rettung von 33 verschütteten Bergleuten und das Krisenmanagement während der COVID-19-Pandemie an.

Piñeras Tod bewegte nicht nur Chile. Kondolenzen kamen aus ganz Lateinamerika. Einer der ersten war Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou. Ihr Beileid sprachen auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega und Cubas Präsident Miguel Díaz-Canel aus.

Russlands Präsident Wladimir Putin schickte an Boric ein Telegramm, in dem er seinem Amtskollegen zum Tod Piñeras kondolierte. Putin sprach auch den Angehörigen des früheren Präsidenten und dem ganzen chilenischen Volk sein Beileid aus. Piñera habe vieles für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des südamerikanischen Landes geleistet, ein großes internationales Ansehen genossen und zum freundschaftlichen russisch-chilenischen Verhältnis beigetragen, betonte der Kremlchef. Er habe Piñera persönlich gekannt.

Juan Sebastián Piñera Echenique wurde am 1. Dezember 1949 in der Hauptstadt Santiago geboren. Der studierte Ingenieur war einer der Gründer der wichtigsten traditionellen rechten Parteien Renovación Nacional. Viele Jahre lang vereinte er sein politisches Engagement mit seinen Aktivitäten als Unternehmer. Er war der größte Aktienbesitzer der Fluggesellschaft Lan Chile (jetzt Latam). Ihm gehörten auch der Fernsehsender Chilevisión und die Gesellschaft Blanco y Negro, die den beliebten Fußballklub Colo-Colo verwaltet. Der Unternehmer war einer der fünf reichsten Menschen in Chile. Das Magazin Forbes schätzte im Jahr 2022 sein Vermögen auf 2,8 Milliarden US-Dollar ein. Seit dem Jahr 1973 war er mit Cecilia Morel Montes verheiratet, mit der er vier Kinder hatte.

Piñera war zweimal Präsident: von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022. Im Oktober 2019 brachen massive Proteste gegen seine Regierung aus, die bis zum März 2020 andauerten. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben. Es gab fast 9.000 Festnahmen. Internationale Organisationen verwiesen auf massive Menschenrechtsverletzungen. Die sozialen Unruhen führten letztlich zu zwei Versuchen, die Verfassung zu aktualisieren.

Mehr zum ThemaChile stimmt gegen rechtsextreme Verfassungsreform – Pinochets Verfassung bleibt damit gültig

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.